Ulu Muda – 4 Tage absolutes Urwald Abenteuer

Ulu Muda Naturschutzgebiet

Kennt ihr auch das Gefühl, eine Auszeit von der Hektik des Alltags zu brauchen? Wollt ihr einen Ort aufsuchen, wo die Zeit still zu stehen scheint und nur der Lauf der Sonne bezeugt, dass sie doch vergeht? Dann begebt euch mit uns auf eine unvergessliche Reise zurück zum Ursprung, dorthin wo sich die Natur von ihrer schönsten und ursprünglichsten Seite zeigt. Besucht mit uns einen der außergewöhnlichsten Plätze auf der Halbinsel Malaysia, nämlich die Earth Lodge im Ulu Muda Naturschutzgebiet.

Die Earth Lodge befindet sich in einem der ältesten Regenwälder der Welt, dem 160.000 Hektar großen Ulu Muda. Der Wald liegt im malaysischen Bundesstaat Kedah, nur ein paar Kilometer von der thailändischen Provinz Yala entfernt. Tatsächlich ist diese Region sogar den meisten Malaysiern unbekannt. 

Hier, im Ulu Muda Dschungel, gibt es sie noch in freier Wildbahn, die asiatischen Elefanten und vielleicht sogar auch noch einen der letzten Tiger. Werden wir eines dieser seltenen Tiere sehen können?

Wie wir von der Earth Lodge erfuhren

Chrissi und ich saßen in einer Pizzeria in Georgetown auf Penang, wo wir uns mit Priscilla Miard verabredet hatten. Priscilla erforscht die von Baum zu Baum gleitenden Riesengleiter (Colugo) auf der Insel Langkawi und wir treffen uns immer wieder gerne mit ihr, um uns auszutauschen. An diesem Abend erzählte sie uns von der Earth Lodge, einem Forschungscamp mitten in einem Regenwald in Malaysia, wo sie einst ein paar Tage zu Forschungszwecken verbracht hatte. Als wir ihren Schilderungen lauschten, wussten wir, dass das eines unserer nächsten Ziele werden würde. Unsere Abenteuerlust war geweckt.

Ulu Muda Hymir
Hymir – leidenschaftlicher Naturschützer und Forscher

Packliste für den Dschungel, die Vorbereitungen beginnen

Kurze Zeit später recherchierte ich im Internet auf der Seite der Earth Lodge und kontaktierte Hymir, den Betreiber. Wir buchten einen viertägigen Aufenthalt mit Hymirs Begleitung. Außerdem mussten wir eine Kopie unseres Reisepasses und Passfotos von uns einreichen. Diese sind notwendig, um die Genehmigung für den Eintritt in das Ulu Muda Naturschutzgebiet zu bekommen.

Überdies machten wir ein paar Besorgungen, die für unseren Aufenthalt im Dschungel essentiell sind:

Unsere Packliste für den Dschungel

Die Anfahrt zur Earth Lodge

Prinzipiell bietet die Earth Lodge einen Transportservice an. Da wir in Malaysia aber unser eigenes Auto haben, entschlossen wir uns natürlich, die von Penang aus kurze Strecke von etwa 150 km, selbst zu fahren. Dennoch benötigt man für diesen relativ kurzen Weg etwa um die 2,5 Stunden Fahrzeit.

Kurz bevor wir unseren Zielort, das Lake Muda Jetty (Bootsanlegestelle) erreichten, passierten wir schon mal die erste wirklich beeindruckende Naturschönheit. Die Straße führt mitten durch das Gebiet des weit verzweigten Beris Sees (malaysisch Empangan Beris). Bei einer nahe gelegenen Raststätte trafen wir auch auf ein paar Hobby-Vogelfotografen, deren Fotoausrüstung uns vor Neid erblassen ließ. Ulu Muda ist natürlich auch ein Paradies für Vogelliebhaber, aber dazu später mehr.

Das Ulu Muda Jetty

Am frühen Nachmittag erreichten wir unseren Treffpunkt mit Hymir, dem Leiter des Dschungelcamps. Schon am Parkplatz der Bootsanlegestelle bemerkten wir zum ersten Mal, dass wir die Zivilisation bald hinter uns lassen würden. Mein Handy hatte keinen Empfang mehr und ich musste ein paar Schritte zurück zur Straße machen, um Hymir anzurufen. Ein paar Minuten später war er auch schon da mit seinem Ford Ranger, wie gerne hätte ich dieses Auto gegen unseren Proton Preve getauscht.

Nach einem kurzen Plausch erfuhren wir, dass Hymir auf Penang wohnt und stellt euch vor, nur etwa 20 Gehminuten von unserem Zuhause entfernt. Nun ja, manchmal versagt die Kommunikation auch in Zeiten des Internets. Außerdem trafen wir dort auch auf zwei Briten, die in Johor auf einer Privatschule unterrichten. Sie würden uns auf dem dreitägigen Trip in den Regenwald begleiten.

Mit dem Boot vom Lake Muda Jetty zur Earth Lodge

An der Anlegestelle standen auch schon unsere Boote bereit. Nämlich zwei motorbetriebene Sampan Boote der traditionellen Art, welche von den Einheimischen vor allem zum Fischen genutzt werden. Kurzerhand luden wir unsere Rucksäcke auf eines der Boote. Chrissi, Hymir und ich teilten uns das Boot aus Aluminium, welches leichter, schneller und Hymirs ganzer Stolz ist. Die zwei Briten fuhren mit dem Holzboot, etwas älter, schwerer aber traditioneller. Beide Boote wurden übrigens von hier ansässigen Männern gesteuert.

Unsere britischen Freunde im Sampan Boot

Nach kurzer Zeit legten die zwei Boote ab, die Motoren dröhnten und der Wind zischte uns um die Ohren. Ein breiter Grinser zierte unsere beiden Gesichter, als sich der spiegelglatte Tasik Muda (Lake Muda) bei strahlendem Sonnenschein in den herrlichsten Blau-, Grün- und Brauntönen präsentierte. 

Schon auf dem Hinweg zum Camp wurde uns die Schönheit dieses Naturwunders vor Augen geführt. Wir durften bunte Eisvögel (engl. Kingfisher) mit ihren langen roten Schnäbeln sehen. Seeadler thronten majestätisch, nach Beute spähend auf den Spitzen von Baumskeletten. Diese abgestorbenen Bäume ragen aus dem Wasser, wie die Mäste von versunkenen Geisterschiffen und bezeugen, dass der Muda See ein künstlich angelegter Stausee ist.

Die Masten der Geisterschiffe

Früher gab es hier also nur Urwald. Es gibt übrigens in der Nähe noch zwei weitere Stauseen dieser Art, nämlich den Tasik Ahning und den Tasik Pedu. Alle drei Stauseen wurden errichtet, um Wasser für die Bewässerung der riesigen und für Malaysia wichtigen Reisfelder in den gefluteten Küstenebenen der Bundesstaaten Kedah und Perlis zu liefern.

Ich ließ diese unbeschreibliche Landschaft auf mich wirken und atmete tief durch, mein Körper entspannte sich. Die Schönheit und der Frieden, den die Natur hier bietet, würde auch euch das Herz aufgehen lassen. Wir durchquerten den gesamten Stausee, hin und wieder sah man eine auf Pfählen gebaute Fischerhütte oder ein hiesiges Fischerboot. Dann am Ende des Sees erreichten wir den Muda River, einen der Flüsse, die das Wasser liefern.

Einem Seeadler entgeht nichts

Wir folgten dem Fluss stromaufwärts, der auf beiden Seiten von Vegetation in allen erdenklichen Grüntönen gesäumt war. Mit ein wenig Fantasie erkannten wir in den hängenden Pflanzen am Flussrand die Formen von Elefanten. Affen räkelten sich in den Bäumen und hin und wieder durchdrang den Urwald ein Vogelschrei. Unsere Bootsmänner wussten ganz genau, wie sie ihr Boot am effizientesten den mäandernden Fluss entlang zu steuern hatten. Und dann plötzlich, nach insgesamt 1,5 Stunden und etwa 14 km mit dem Boot, tauchte ein Schild vor uns auf mit dem Schriftzug “Selamat datang, welcome, Earth Lodge”. Selamat datang ist malaiisch und bedeutet herzlich willkommen.

Hängende Pflanzen in Elefantenform, könnt ihr es erkennen?

Wohnen im Urwald, willkommen in der Earth Lodge

Umgeben von Baumriesen mitten im Urwald von Ulu Muda lag sie, die Earth Lodge. Dieser Platz würde für die nächsten 4 Tage und 3 Nächte unser Basiscamp sein. Von hier aus würden unsere Bootsfahrten und Ausflüge in den Dschungel starten. 

Die Lodge verfügt über insgesamt 12 Zimmer, davon 4 größere, die Platz für bis zu 6 Gäste pro Schlafsaal bieten. Im günstigeren Schlafsaal bekommt jeder Gast sein eigenes Feldbett, einen Schlafsack und ein Luftkissen zur Verfügung gestellt.

Selamat Datan, willkommen in der Earth Lodge (Ulu Muda Field Research Center)

Die anderen 8 Zimmer sind in kleinen Hütten untergebracht und bieten bequem Raum für 2 Personen. Jedes Zimmer verfügt über ein angeschlossenes Badezimmer mit Dusche, eine Toilette und einen kleinen Balkon mit Blick auf den Wald. Als Bett dient eine erhöhte Plattform aus Holz mit 2 einzelnen ökologischen Kapokmatratzen, die hier in der Region gefertigt werden. Mir kamen sofort Erinnerungen an den Bako Nationalpark auf Borneo hoch, wo wir in einer ähnlichen Dschungelhütte geschlafen hatten.

Eine der Hütten in der Earth Lodge

Im Camp gibt es keinen Mobilfunkempfang und somit keine Ablenkung und Verbindung zur Zivilisation. Lediglich Hymir verfügt über ein Satellitentelefon, mit dem er im Notfall Hilfe anfordern kann. Strom gibt es übrigens ca. 3 Stunden am Tag, nämlich zwischen Sonnenuntergang und dem Schlafengehen. Während dieser Zeit hat man in seiner Hütte elektrisches Licht, einen Deckenventilator und zudem kann man auch seine Kamera-Akkus frisch aufladen. Aktuell verfügt die Earth Lodge mangels Budget noch über kein Solarsystem, es läuft am Abend also der Benzingenerator.

Makan Place, die Verpflegung in der Earth Lodge

Das Herz der Earth Lodge ist der Makan Place. Makan bedeutet auf Malaiisch „essen“ und das ist zugleich auch immer das wichtigste Thema in Malaysia. Das Essen verbindet die Menschen und ist hier ausnahmslos das Gesprächsthema Nummer eins. Dort trifft man sich, speist gemeinsam und gleichzeitig fungiert dieser Platz als Startpunkt für alle Touren.

Der Makan Place lädt zum Essen ein

Gekocht wird hier von den lokalen Führern, also von unseren Bootsmännern. In den 4 Tagen, die wir hier verbrachten kochten sie immer sehr gute lokale Gerichte. Diese waren zum Beispiel Nasi Goreng (gebratener Reis), Mee Goreng (gebratene Nudeln) oder gedünsteter Fisch mit Gemüse. Zusätzlich gab es auch Kuchen und Kaffee. Insgesamt eine einfache, aber unglaublich gute Kost, auf die wir uns nach teilweise anstrengenden Ausflügen natürlich immer sehr gefreut hatten.

Eines der Gerichte, die wir serviert bekamen

Der Makan Place ist auch der Ort, wo man sein Trinkwasser bekommt. Denn das Wasser in den Hütten kommt ungefiltert aus dem Fluss und sollte nur zum Duschen und Zähneputzen verwendet werden.

Spannend: unser 4 Tage Paket – Back to Nature

Die Earth Lodge bietet 3 verschiedene Pakete an, diese erstrecken sich über 3, 4 oder 5 Tage und kosten je nachdem etwas mehr oder weniger. Wir bezahlten für 2 Personen und unsere 4 Tage 3.160 malaysische Ringgit (ca. 650€). Genauere Angaben über die Touren und Preise holt ihr euch am besten auf Seite der Earth Lodge selbst.

Jedes der Pakete beinhaltet die An- und Abfahrt zur Earth Lodge mit dem Boot sowie tägliches Frühstück, Mittagessen, Teezeit und Abendessen. Was wir bei den zusätzlichen täglichen Aktivitäten so alles gesehen und erlebt hatten? Seid gespannt, denn der Regenwald ist kein Platz für Angsthasen.

Tägliche abendliche Bootsfahrten – werden wir Elefanten sehen?

Wenn es das Wetter zulässt, dann könnt ihr euch besonders auf die täglichen Bootsfahrten entlang des Muda Rivers freuen. Für mich waren diese das absolute Highlight unseres Regenwaldabenteuers. Insbesondere wenn das Boot geräuschlos flussabwärts treibt und man sich voll und ganz auf das Erspähen von Tieren einlassen kann, dann ist man eins mit der Natur. Die Sonne stand auf diesen Fahrten immer schon etwas tiefer und tauchte den Regenwald in ihr goldenes Licht. Der Fluss führte rotbraune Erde mit sich und verbreitete seinen ganze eigenen erdigen Geruch.

Der Sonne entgegen

Eine Besonderheit in Ulu Muda sind die Nashornvögel, die abends in kleinen Gruppen in pfeilförmiger Formation zu ihren Schlafplätzen fliegen. Ihre kräftigen Flügelschläge hört man weit über hundert Meter. Hymir, der Betreiber der Earth Lodge, zückte, wie jeden Abend, seinen Notizblock und notierte die Anzahl der beobachteten Vögel ganz genau. Das erste Mal hatten wir einen Nashornvogel in freier Wildbahn übrigens auf Pangkor Laut gesehen. Auch andere Vogelarten, wie zum Beispiel Eisvögel, konnten wir vom Boot aus gut beobachten. Ulu Muda ist Heimat von über 300 Vogelarten. Alle 10 malaysischen Nashornvogelarten (engl. hornbill) sind hier zu finden. Diese sind Hymirs absolute Lieblinge. 

Nashornvögel fliegen in Formation

Entlang des Flusses fanden wir immer wieder Elefantenpfade. Hier überqueren die kleinen Herden den Fluss und hinterlassen tiefe Furchen im Schlamm. Plötzlich hörten wir ein Rascheln, das hohe Gras am Flussufers bewegte sich. Elefanten? Negativ, es war nur ein Wildschwein, dessen Hinterteil wir noch im Dickicht verschwinden sahen.

In diesem Naturschutzgebiet gibt es auch einige Mineralquellen (engl. salt lick) mit einer hohen Konzentration an Mineralstoffen, wie Natrium, Kalzium, Eisen, Phosphor und Zink. Pflanzenfresser suchen diese besonderen Quellen auf, um ihre Ernährung zu ergänzen. Elefanten, Gaur, Hirsche, Wildschweine und Tapire sind häufige Besucher und ziehen oft auch Raubtiere an. Diese Quellen sind also ausgezeichnete Orte, um Wildtiere zu beobachten. 

Doch wir hatten kein Glück, wir sahen bei keiner der Bootsfahrten Elefanten. Aber es gab ja auch noch die Wanderungen im Dschungel. Zum Trost führte uns Hymir aber zu einem kleinen Süßwassertümpel, in dem sich eine Otter-Familie tummelte. Diese Tiere sind einfach nur herzig anzusehen. Auf Penang Island, unserem Zuhause, können wir diese niedlichen Wesen manchmal vom Balkon aus im Meer schwimmen sehen.

Eine von 1000 Libellen (engl. dragon fly)

Ein weiteres Highlight dieses Platzes waren 1000de von Libellen, die um unsere Köpfe herum schwirrten. Ein unglaubliches Naturschauspiel. Außerdem machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit Blutegeln. Doch dazu später noch mehr, denn der Dschungel ist voll mit diesen kleinen Blutsaugern, die nur auf Neuankömmlinge, wie uns, warteten.

Urige Kalksteinhöhlen – Blutegel, Fledermäuse & Co

Am zweiten Tag stand eine mehrstündige Dschungelwanderung auf dem Programm. Das Ziel war eine Höhle in einem der neulich entdeckten Kalksteinhügel namens Bukit Labu. Gleich zwei größere Höhlen wurden hier in der Nähe entdeckt, und man gab ihnen den Namen Gua Labu 1 und Gua Labu 2. 

Salto im Dschungel
Kurz nachdem ich Chrissi gewarnt hatte, wie rutschig es hier ist

Wir legten unsere Tarnkleidung und die Blutegel Socken an. Der Weg führte direkt vom Camp weg, hinein in den Dschungel. Unterwegs gab es so viel zu sehen. Unzählige Schmetterlinge, Termitenstraßen, Pilze und Schwämme in allen Möglichen leuchtenden Farben. Außerdem findet man hier einen der schönsten und außergewöhnlichsten Käfer, die ich jemals in meinem Leben sehen durfte. Es handelt sich dabei um eine Art der Spitzkopfzikaden auch Laternenträger genannt, die mit ihrer langen roten Nase einfach nur grenzgenial aussehen. So etwas sehen zu dürfen, erfüllte mich mit großer Dankbarkeit. Und ich hoffe, dass dieser Naturpark in Zukunft noch besser vor illegaler Jagd und Holzrodungen geschützt wird. 

Pyrops pyrorhyncha
Pyrops pyrorhyncha (engl. Red Nose Clown Lanternfly)

Sobald man auf den Trittpfaden stehen bleibt, kommen die Blutegel angekrochen. Diese für uns etwas ekelhaft wirkenden Tiere haben gleich drei Möglichkeiten ihre Beute zu finden. Sie riechen euer Blut, sie können die Vibrationen eurer Schritte meterweit spüren, sowie lokalisieren und Änderungen am Stickstoffgehalt der Luft durch euren Atem erkennen. Sie kamen aus allen Richtungen, drangen durch das grobmaschige Gewebe in unsere Schuhe ein und kletterten die Blutegel Socken entlang nach oben.

EIn Blutegel wittert uns

Ihr Trieb kennt keine Grenzen, immer dem Geruch des Blutes nach. Dank der Socken, die immer eine helle Farbe haben, konnten wir sie ziemlich gut erkennen und rechtzeitig von uns schnipsen. Manche aber fanden ihr Ziel, das ist so gut wie unvermeidbar. Wir lernten von Hymir unserem Dschungel-Guide, wie man sie dann einfach von sich reißt. Aus der zurückbleibenden Wunde fließt helles, dünnes Blut, den der Egel injiziert eine Substanz, die das Blut nicht mehr so leicht gerinnen lässt. Was am Anfang noch ein riesen Spektakel war, wurde schon am ersten Tag zur Gewohnheit. Ulu Muda ohne Blutegel wäre wie Spaghetti ohne Soße.

Vollgesaugter Blutegel auf Hymirs Bein

Nach ca. 2 Stunden kamen wir dann bei der Höhle an. Innen roch es ein wenig scharf nach Fledermausexkrementen, ein Geruch, den man nach kurzer Zeit aber nicht mehr wahrnimmt. Die Fledermäuse sind wichtig für das Ökosystem einer Höhle, denn über ihren Kot bringen sie Nährstoffe hinein, welcher wiederum von andere Mikroorganismen verarbeitet werden.

Die Kalksteinformationen waren wunderschön und das Gefühl in einer Höhle zu sein, die nur ganz wenige Menschen auf diesem Planeten jemals betreten hatten, war auch ganz gut. Wenn euch Höhlen auch so begeistern, wie uns, dann ist Malaysia auf jeden Fall einen Tipp Wert. Eine der schönsten Höhlen in Malaysia ist übrigens die Gua Tempurung in der Nähe von Ipoh. Die bekanntesten sind allerdings die Batu Caves in Kuala Lumpur.

Die Kalksteinhöhle von Innen (Farben sind etwas verstärkt)

Auf den Spuren der Honigjäger

Am dritten Tag machten wir einen Ausflug zu einem besonderen Baum, einem Tualang Baum. Wir fuhren etwa 10 Minuten lang mit dem Boot flussaufwärts und legten dort am Ufer an. Zuerst führte uns Hymir zu einer heißen Quelle. Dampfend bahnte sich das heiße Wasser seinen Weg über den Untergrund. Diese Mineralquelle wird Sira Ayer Hangat genannt und später hatten wir auch noch die Möglichkeit in diesem warmen Wasser zu baden, nämlich dort, wo es in den Muda River mündet.

An dieser Quelle waren eindeutig Elefanten gewesen, denn deren riesige Dunghaufen sind unverkennbar. Aber es war wohl schon einige Wochen her, dass sich die Dickhäuter hier ihre Mineralration holten, denn aus dem Dung wuchsen schon kleine Sämlinge heraus. Der schöpferische Kreislauf der Natur ist doch einfach wunderbar.

Bei den heißen Quellen mit Elefanten-Dung

Danach ging es zu Fuß etwa 45 Minuten lang bergauf durch den Regenwald. Natürlich wurden wir wieder von Blutegeln belagert, aber das gehörte nun ja schon zum Alltag eines Dschungelforschers, wie wir es waren. Da stand er dann, der Tualang Baum (koompassia excelsa), der übrigens zur Art der Johannisbrotgewächse gehört. Er kann bis zu 85 Meter hoch werden und im untersten Bereich einen Stammdurchmesser von bis zu 290 cm erreichen.

Diese Bäume sind die Heimat der Riesenhonigbiene (apis dorsata), deren Bienenstöcke bis zu 45 Meter hoch in den Bäumen hängen. Ein einziger Tualang-Baum kann bis zu 50 Bienenstöcke beherbergen. Ein Honigjäger benötigt heutzutage eine Lizenz, damit er Honig von einem bestimmten Baum ernten darf. In diese Bäume werden Nägel in den Stamm getrieben, um Unterstützung beim Klettern zu bieten. Auf dem Boden werden getrocknete Kokosnussschalen verbrannt, um die Bienen durch den Rauch zu beruhigen Stiche zu minimieren. Die Arbeit der Honigjäger ist also nicht ungefährlich. Der Tualang Honig ist selten und kostbar und kommt nur in den Wäldern Südostasiens vor.

Kleine rote Pilze am Wegesrand

Der Baum selbst war etwas enttäuschend, denn er war abgestorben. Nach Hymirs Theorie gab es Streitigkeiten um die Genehmigung, wer von diesem Baum Honig ernten durfte. So wurde der Baum still und heimlich vergiftet, damit niemand mehr etwas davon hat. Der größte Verlierer dabei sind wohl der Baum selbst und die Bienen. Die Natur funktioniert nur mit perfekter Symbiose, der Mensch jedoch, scheint oftmals unnatürlich geworden zu sein.

Der Dschungel kennt alle Farben, ich nenne sie Regenbogenpflanze

Tubing am Muda River – hier bleibt keiner trocken

Am Nachmittag des dritten Tages, stand Spaß auf dem Programm. Mit dem Boot fuhren wir etwa 20 Minuten flussaufwärts. Von dort aus, durften wir den Fluss, in großen Gummischwimmreifen, wieder hinunter treiben. Das klingt einfacher, als es ist, denn die Strömung ist stellenweise stärker und dreht den Reifen wohin sie will. Das erfordert etwas Geschickt und ein wenig Kraft. Das kühle Nass war jedenfalls eine willkommene Abwechslung zu der feuchten Dschungelhitze. Stellt euch das einmal vor, wie traumhaft es ist, den Fluss hinunter zu treiben und links und rechts den Urwald an sich vorbeiziehen zu sehen. 

Makaken Mutter mit Säugling
Am Flussufer: Makaken Mutter mit Säugling

Bei etwa der Hälfte der Strecke legten wir bei der heißen Quelle einen Zwischenstopp ein. Die Quelle mündet hier in der Fluß und das Wasser war sehr warm und belebte unsere Glieder. Der Boden war morastig und man sank mit den Füßen tief in den Schlamm ein. Ein Gefühl, dass ich eigentlich nicht so mag, denn man weiß ja nie, was da unten im Matsch auf einen wartet. Um diesem Gefühl zu entgehen, schlossen wir Freundschaft mit dem Schlamm und rieben unseren Körper und Gesichter damit ein. Ihr wisst ja, diese Quelle und auch der Matsch sind voll mit Mineralstoffen und somit Nahrung für die Haut.

Tubing am Muda River

Danach trieben wir weiter bis zurück ins Camp. Dort bereiteten unsere Köche schon ein köstliches Mahl für uns zu, welches wir uns nach diesem Abenteuer redlich verdient hatten.

Stelldichein mit einem Skorpion

Über die Blutegel, die sich hin und wieder an uns labten, habe ich ja schon berichtet. Aber die wirklich interessanten Begegnungen hatten wir im Camp selbst. In der ersten Nacht hatte ich meine Wasserschuhe auf der Veranda der Hütte geparkt. Ich weiß, das macht man im Dschungel nicht, und wisst ihr auch warum? Als ich sie anzog, spürte ich ein seltsames Kribbeln im Schuh. Erschreckt hüpfte ich aus dem hautengen Schuh heraus, wie ein aufgescheuchtes Huhn. Wahrscheinlich nicht minder erschrocken, kroch draus eine schwarze Spinne mit einem Umfang von etwa 7 cm. Wie sie es geschafft hatte, in diesem von meinem Fuß vollkommen ausgefüllten Schuh zu überleben, weiß ich bis heute nicht.

Hungriger Gecko auf unserer Hütte

Chrissi machte auch einen Stepptanz in unserer Hütte, als ihr eine riesengroße weiße Spinne über die Füße lief. Im Badezimmer fanden wir eine Schrecke, die etwa 20 cm groß war, mit einem Stachel, den man nicht näher kommen wollte. War ein interessantes Gefühl am Klo zu sitzen, mit diesem Tier einen Meter über dem Kopf. Was ihr auch unbedingt mal erleben müsst, ist von Termiten gebissen zu werden. Passiert euch vielleicht auch nicht, wenn ihr nicht im Halbdunkeln, barfuß zum Makan Place unterwegs seid. Wenn euch Termiten in die Fußsohle beißen fühlt es sich an, als würdet ihr auf Glasscherben treten. Der Schmerz ist spitz und kurz, also besser als ein giftiger Ameisenbiss.

Die Reisenschrecke im Badezimmer

Ein einmaliges Erlebnis war für mich jedoch, die Bekanntschaft mit einem Skorpion zu machen. Auch das passierte im Camp beim Makan Place. Wieder barfuß unterwegs, verspürte ich unverbesserlicher Mensch, plötzlich einen unerwartet heftigen Schmerz am Knöchel meines rechten Fußes. Ich schrie laut auf und fluchte wie wild um mich her. Aber es war nichts zu sehen. Es fühlte sich an, wie ein multipler Bienenstich.

Der Skorpion, der mit stach

Chrissi war es dann, die den etwa 7-8 cm langen Skorpion unter dem Tisch erblickte. Hymir blieb ruhig, ein gutes Zeichen. Für Notfälle hat Hymir ein Antihistaminika zur Hand. Aber ich habe zum Glück keine Histaminintoleranz und somit war es nur der Schmerz, den es zum Aushalten galt. Ein wenig anders war mir schon, als ich den Skorpion begutachtete. Aber ich dachte mir, so etwas gehört zu einem wahren Dschungelerlebnis einfach dazu.

Wie hat uns Ulu Muda gefallen?

Wenn ihr den Artikel bis hierher gelesen habt, dann wisst ihr wahrscheinlich, dass wir komplett begeistert waren. Nun ja, wir hatten keine Elefanten gesehen, ein kleiner Wermutstropfen, aber vielleicht kommen wir ja wieder. Bellende Hirsche hatten wir nur gehört, Tiere wie den Tapir oder den Leopard bekamen wir nur auf Fotos, von Hymirs Kamerafallen, zu sehen. Es gibt sie also noch, die Tiere, die den Dschungel in der finsteren Nacht durchstreifen und kaum von einem Menschen gesehen werden.

Eisvogel am Flussufer

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ein Besuch der Earth Lodge ein außergewöhnliches Abenteuer ist, welches wir unser Leben lang nicht vergessen werden. Die unberührte Natur ist ein wahrer Herzöffner und wartet darauf, von Menschen, die dies auch wirklich schätzen, bewundert zu werden.

6 Kommentare zu „Ulu Muda – 4 Tage absolutes Urwald Abenteuer“

  1. Hallo Chrissi & Rafael.
    Schön geschrieben. Da ich vor ein paar Jahren schon einmal dort war, kann ich vieles nachvollziehen. Hymir ist ein Freund von mir. Sorry: ich bin Peter Höfinger (Österrreicher) und lebe seit 1998 auf Langkawi. Falls ihr auf die Insel kommen solltet, bitte unbedingt bei mir melden. Ich bin Naturführer und Naturfotograf.
    Also wenn es MCO zu lässt, bis bald. Peter

    1. Rafael Millonigg

      Hallo Peter, vielen Dank für deinen Kommentar. Dein Ruf ist dir vorausgeeilt, wir haben schon von dir gehört. Wäre natürlich echt super, wenn wir uns noch in Natura sehen könnten. Wir wären auf jeden Fall gerne bei einer deiner legendären Touren dabei ?

  2. Margret Hueter

    Wie immer so spannend und interessant geschrieben, dass ich das Gefühl hatte dabei zu sein. So ein tolles Abenteuer, danke für diese Möglichkeit es mit euch in meiner Fantasie zu erleben.

    1. Rafael Millonigg

      Hallo Margret! Freut uns, dass wir die etwas Urwald Feeling vermitteln konnten ?

  3. Hi my dears! Wonderful report and photos, incredible! So many faceted – its almost like being there….GREAT! Thank you!! Stay well – VIE-auntie

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